Spanien - Portugal

Iberische Halbinsel - einmal entlang der Küste

Während unserer mehrmonatigen Auszeit nahmen wir uns vor, über Spanien und Portugal immer entlang der Küste bis Norwegen zu fahren. Da sich jedoch pandemiebedingt die Einreise nach Portugal etwas verzögerte und wir anschließend von dem Land der Surfer und des Portweines so begeistert waren, verbachten wir da mehr Zeit, als ursprünglich geplant. Dies und ein gebrochener Fuss führten dazu, dass wir „nur“ die iberische Halbinsel bereist haben. Allerdings waren schon diese Wochen eine wunderschöne Zeit, an die wir gerne zurückdenken. Portugal sieht uns definitiv noch einmal wieder. 

Und wer weiß, sicher schaffen wir es eines Tages auch bis nach Norwegen. 

Unsere Route:

Erstmal Strecke machen

13.-15. April 2021

In Garching sind wir bei Schneeregen und 3 Grad gestartet. Kaum vorzustellen, dass wir in unserem Wohnwagen die Badesachen, SUP’s und auf dem Dach die E-Bikes geladen haben. Eher schrie das Wetter nach pulvrigen Tiefschnee Abfahrten in den verschneiten Schweizer Bergen.

Aber Augen zu und durch: die Berge ließen wir links liegen und steuerten als erstes den Genfer See an. Der wunderschöne Campingplatz Camping de Rolle, direkt am See gelegen, wartete auf uns. In der Abendsonne sahen wir sogar den Mont Blanc. Allerdings sorgte ein starker Wind dafür, dass wir uns schnell in unserer rollenden Behausung einigelten und alle Heizmöglichkeiten einschalteten, die es gab. Die Nacht war zapfig, um die 0 Grad.

Deswegen vergeudeten wir auch tags darauf keine Zeit und zuckelten 700 km (obwohl in Frankreich 130 km/h mit Anhänger erlaubt) bis nach Spanien ans Mittelmeer. Angenehme 17 Grad und ein beheizter Pool am Campingplatz Salatà entschädigten für die letzte schlaflose Nacht.

Ausgeruht und glücklich unter der Sonne Spaniens gönnten wir uns zwei Tage Pause. Wir radelten in der Umgebung von Roses, unserem Campingplatz. Hier gibt es jede Menge toller Radlstrecken, teils am Meer, teils in den Bergen. Trails sind für jeden Geschmack dabei. Wir testeten unfreiwillig einen sehr schwierigen Trail, bei dem wir leider des öfteren schieben mussten. Dafür hatten wir aber tolle Aussichten auf das Mittelmeer.

Reisestrecke: 1250 km

BARCELONA MAL ANDERS

17.-21. April 2021

Die letzten beiden Tage galten dem Graben von riesigen Löchern am Sandstrand und ausgiebigem Planschen im beheizten Pool…wir haben einen abgebrannten Kochtopf inkl. Nudelsieb, eine rudimentär funktionierende Heizung, aber der Wasserhahn und der Abfluss funktionieren wieder. So langsam grooven wir uns ein.

Inzwischen sind wir auf einem Campingplatz in der Nähe von Barcelona angekommen – Camping Vilanova Park – ein riesiger Platz, auf dem im Sommer die Hölle los sein muss. Also nichts für uns normalerweise, aber in der aktuellen Zeit sind wir neben ein paar britischen Überwinterern nahezu die Einzigen.

Am Sonntag ging es dann auf Entdeckungstour nach Barcelona. Aber natürlich wäre Mattes nicht Mattes, wenn er nicht ein paar Radstrecken ausfindig gemacht hätte, auf denen wir die Stadt und die Umgebung erkunden konnten.

Link zur Tour

Ich hätte nie mit so vielen Mountain Bikern in Spanien gerechnet, wie wir an diesem Tag gesehen haben. Mag vielleicht auch am Wochenende und dem sonnigen Wetter gelegen haben.

Entlang der Hügel am Stadtrand winden sich unzählige kleine Wege und Trails, die zum wandern und biken einladen. Hier akzeptieren sich sogar die Wanderer und Biker gegenseitig. Die Stadt liegt einem zu Füßen und es bieten sich ständig tolle Blicke bis hin zum Meer.

Auf dem Tibidabo thront hoch über der Stadt die Basilika Sagrat Cor, wirklich schön, aber leider geschlossen. Daneben befindet sich gleich ein Vergnügungspark, der bereits 1905 eröffnet wurde und zu den ältesten der Welt gehört, die noch funktionieren. Vincent war von der Achterbahn ganz angetan, aber leider war auch der Park geschlossen. 

Nach den Trails rollten wir einfach die Strasse hinab bis zur Kathedrale von Barcelona, wo wir in einem Café bei ein paar Tapas den Tag ausklingen ließen. 

Der Montag galt dem klassischen Sightseeing, sofern das mit meinen beiden Männern möglich ist. Den Vormittag verbrachten wir im Park Güell:
„Der Park war eine Auftragsarbeit für den Industriellen Eusebi Güell. Dieser war von den englischen Gartenanlagen sehr beeindruckt und wollte eine solche auch in Barcelona haben. Antoni Gaudí plante daraufhin eine Gartenstadt mit über 60 Villen. Das Vorhaben scheiterte, und es wurden nur zwei Parzellen verkauft.

Gaudí achtete bei der Anlage des Parks nicht nur auf umweltgerechtes, sondern auch auf kostengünstiges Bauen: Er verzichtete auf große Erdbewegungen und passte seine Pläne dem hügeligen Terrain an. Dabei verwendete er Stützmauern und Terrassen. Diese fügen sich durch ihre organischen Formen einzigartig ins Gelände ein und vermitteln den Eindruck absoluter Natürlichkeit. Die benötigten Materialien fand der Baumeister auf dem Gelände selbst. Für die vielen Mosaike verwendete er Abfälle der nahen Keramikfabriken. Allerdings war die Bauweise selbst sehr teuer, da alles in Handarbeit angefertigt werden musste.“ (Wikipedia)

Total geflasht von Gaudí, war natürlich ein anschließender Besuch der Basilika Sagrada Família ein absolutes Muss. Der Bau der von Antoni Gaudí im Stil des Modernisme entworfenen Kirche ist unvollendet. Er wurde 1882 begonnen und sollte 2026, zum 100. Todestag von Gaudí, fertiggestellt werden. Aufgrund der Covid-19-Pandemie kann dieses Datum nicht eingehalten werden. Kaum zu glauben, dass die Bauzeit eines Gebäudes den Berliner Flughafen übertrifft.

Barcelona ist sehr weitläufig. Das mussten wir leider schmerzhaft feststellen, als wir eine knappe Stunde von der Basilika bis zum Arc de Triomf gelaufen sind. Danach ist uns die Lust, noch über die La Rambla zu schlendern, vergangen. Immerhin gönnten wir uns noch ein paar leckere Churros mit richtig dicker Schokoladensauce… yummi.

Reisestrecke: 200 km

Auf den Spuren der Römer
Tarragona

22. April 2021

Vielleicht sind wir ja ein paar echte Kulturbanausen, aber bisher hatten wir die Stadt Tarragona überhaupt nicht auf dem Schirm. Und hätte uns das Wetter nicht zum längeren Aufenthalt zwischen Barcelona und Tarragona gezwungen, wären wir auf dem Weg nach Süden einfach daran vorbeigesaust. Da hätten wir tatsächlich etwas verpasst. Persönlich hat es mir hier deutlich besser gefallen als in Barcelona. Es ist nicht so weitläufig, es gibt viele kleine Gässchen mit unzähligen Bars und Restaurants und Kultur in fussläufiger Umgebung.

An der Autobahn, kurz vor dem Abzweig zur Stadtmitte, gibt es einen Rastplatz, von dem man aus den römischen Aquädukt Pont del Diable („Brücke des Teufels“) besichtigen kann. Es zählt zu den besterhaltenen antiken Aquädukten, mit der Besonderheit, dass das Überqueren erlaubt ist. Wahrscheinlich wurde es im 1. Jahrhundert n. Chr. unter der Herrschaft des Kaisers Augustus errichtet, zeitgleich mit der Erweiterung Tarragonas. Das Aquädukt diente noch bis ins Mittelalter zur Wasserversorgung der Stadt.
Die Aquäduktbrücke weist eine Gesamtlänge von 217 Metern auf und erreicht eine maximale Höhe von 27 Metern. Die Nordseite des Aquädukts liegt auf einer Höhe von ca. 56,80 Meter, die Südseite auf 56,40 Meter über NN, woraus sich ein Gefälle von etwa 0,2 % errechnen lässt. (Wikipedia)

Das Stadtzentrum ist geprägt von römischen Bauten. In der Nähe vom Meer befindet sich das zu Beginn des zweiten Jahrhunderts erbaute Amphitheater mit einer ungefähren Größe von 130m x 102m. 14.000 Besucher fanden darin Platz.
Unter der Arena befanden sich fossae, die diese der Länge nach und quer kreuzten. Sie beherbergten bühnenbildnerische Elemente und erlaubten durch nachgewiesene Aufzüge das plötzliche Erscheinen von Menschen und Tieren in der Arena.

Im 5. Jahrhundert wurde eine dreischiffige Basilika mitten in die Arena gebaut, wo heute ihre Grundmauern und Fußböden sichtbar sind. Im 12. Jahrhundert wurde erneut eine Kirche hineingebaut, und im 19. Jahrhundert wurde der Komplex als Gefängnis für die Sträflinge benutzt, die beim Hafenbau beschäftigt waren.

Schräg gegenüber vom Amphitheater befindet sich ein Teil der Stadtmauer sowie ein erhaltener Bereich des Circus‘ – heute würde man Rennbahn sagen. Viele der Gänge und unterirdischen Wege sind sehr gut erhalten. Der Circus selbst ist zum größten Teil mit Wohnhäusern und Strassen verbaut worden. Es war super spannend, mehr über die Wagenlenker aus dem 2. Jahrhundert zu erfahren.

Von der Terrasse des angrenzenden Turmes aus, bietet sich einem ein Wahnsinns-Blick über die Stadt. Vor allem die Basilika zieht die Blicke auf sich. Leider war sie pandemiebedingt geschlossen.

Auch das Essen abseits der Hauptstrasse war mega lecker. Abgesehen vom bedeckten Himmel war dieser Stadtbesuch ein tolles Erlebnis und selbst Vincent war von den Römern in Spanien schwer beeindruckt.

Berge und Meer Radltour

23. April 2021

Höhenmeter: ca. 903 hm
Kilometer:      ca. 45 km
Zeit:                 ca. 3 Stunden ohne Pause

Link zur Tour

Von unserem Campingplatz startend, ging es gleich steil bergauf ins Hinterland. Auf der rechten Seite sieht man das Meer, links das hügelige Innenland sowie den Stausee vom Biospärenreservat von Castellet, unserem nächsten Ziel. Die ersten Trails führen zum See herunter, sie sind alle sehr gut befahrbar. Direkt am See liegt ein wunderschönes Schloss, leider war auch dies geschlossen.

Die Tour führt weiter am See entlang, teilweise kommt man sich wie im Dschungel vor. Anschließend gehts per Trail wieder steil bergauf. Hier war ich wirklich über das E-Bike dankbar. Schlussendlich kann man dann das Radl einfach über Trails und Straßen bis zum Meer laufen lassen. Ein herrlicher Sandstrand, bei uns menschenleer, bildet den Abschluss einer schönen Tour. An der Promenade gibt es jede Menge Restaurants und Bars.

 

Zwischen Alicante und Murcia

24.-26. April 2021

Die Gegend an der Costa Brava ist schon recht gewöhnungsbedürftig. So wie wir gesehen haben, wurde alles bis zum Strand zugebaut. Hotels und riesige Wohnanlagen, die als Zweitwohnungen für die Spanier dienen. Aufgrund Corona wirken die Orte wie Geisterstädte, da alles verriegelt und verschlossen ist. Man sieht kaum Menschen, nur Betonburgen. Schön kann man das nicht nennen. Alles wurde gemäß „quadratisch, praktisch, gut“ angelegt, es gibt kaum Bäume und wirklich schlechte Spielplätze. Ähnlich empfanden wir auch den Campingplatz Lo Monte, alles wurde in Reih und Glied ausgerichtet und für die wenigen Spanier, die tatsächlich am Wochenende zu Besuch waren, gab es ein Kinderanimationsprogramm bis 21:30 Uhr. Also genau unser Ding…

Da uns aber der spanische Sonnengott noch nicht ganz so wohl gesonnen war und es in den nächsten Tagen in Andalusien regnen sollte, haben wir tatsächlich 2 Tage auf diesem Campingplatz verbracht.

Ein Tag wurde gechillt, der zweite Tag überraschte uns wirklich positiv. Sämtliche Berge um La Unión sind Zeugen längst vergangener Bergbauarbeiten. Von 1869 bis 1991 wurde in dieser Gegend Pyrit abgebaut, welches man zur Herstellung von Schwefelsäure benötigt. Man kann sich einen Bergbaupark Parque Minero ansehen, mit geführten Touren und einem abschließenden Flamengotanz, oder wie wir, die Umgebung per Rad erkunden. Man findet nicht nur alte eingefallende Gebäude vor, die schon sehr mystisch anmuten, sondern rostige Kräne, die wie Finger in die Luft ragen. Nicht zu vergessen, die Zugangsschächte und Brunnen, die zum Teil bis 200m tief und nur durch eine Umrandung abgesichert sind. Keine Gitter, etc, in Deutschland undenkbar…
Die rote Landschaft erinnert eher an eine Marslandschaft, als an eine spanische Küste.

Ein weiteres Highlight auf der Radtour war die Bateria de las Cenizas. Auf einem Gipfel hoch über dem Meer befindet sich eine militärische Stellung aus dem ersten Weltkrieg. Zwei riesige Kanonen inklusive Munitionsdepots, Aussichtstürme und Baracken sind nahezu vollständig erhalten. Man kann sich überall frei bewegen und durch die Baracken laufen. Zum Teil befinden sich noch riesige Standbohrmaschinen und Schleifmaschinen in den Räumen. Eine wirklich abgefahrende Gegend.

Reisestrecke: 540 km

Granada – Alhambra

27. -28. April 2021

Wenn wir irgendwann mal wieder nach Spanien fahren, lassen wir die Ostküste links liegen und sehen zu, dass wir so schnell wie möglich nach Andalusien kommen. Andalusien ist genau die Gegend, die uns gefällt.

Die Sierra Nevada, das höchste Gebirge der iberischen Halbinsel, ist von November bis Mai von Schnee bedeckt und ist damit das südlichste Skigebiet Europas. Im Sommer gibt es hier unzählige Wanderwege und Bikestrecken mit Panoramen, die den amerikanischen Canyons ähneln. Der höchste Berg ist der Mulhacén mit 3.479m.
Dazu kommen die traumhaft schönen weißen Dörfer, die sich an die Berghänge schmiegen, alle in einem ähnlichen Baustil und kein kunterbunter Architekturwettbewerb wie im Osten des Landes…wenn man da überhaupt von Architektur sprechen kann. Nicht zu vergessen, die weltberühmten Kulturstätten, besonders jetzt in der Corona-Zeit ein echtes Erlebnis. Und last but not least hat Andalusien auch kulinarisch einiges zu bieten, allem voran das Olivenöl.

Spaniens 300 Millionen Olivenbäume (80% davon in Andalusien) erzeugen mit jährlich 1,2 Billionen Litern 44% des weltweiten Angebots von Olivenöl. Aus Italien kommt nur halb so viel und aus Griechenland nur ein Viertel. Jeder Spanier verbraucht im Jahr ca. 10 Liter Olivenöl. Nur die Griechen konsumieren noch mehr davon.
Ehe ein Olivenbaum erstmals Früchte trägt, muss er mehrere Jahre reifen. Manche Olivenbäume sind 300 bis 600 Jahre alt. 

Die Produktion von Olivenöl ist, neben dem Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Andalusiens. In der Erntezeit, die zwischen Oktober und Dezember liegt, kann in einer der Ölmühlen der Herstellungsprozess des Olivenöls direkt mitverfolgt werden.

Nun aber zu uns: Wir sind auf einem süßen kleinen und vor allem ruhigen Campingplatz namens Alto de Vinuelas untergekommen, der perfekte Ausgangspunkt für Besuche in Granada und die Sierra Nevada.
Der erste Ausflug galt der Stadtburg Alhambra in Granada. Wichtig zu wissen, dass man hier Tickets vorab buchen sollte, um außerhalb der Pandemiezeiten lange Wartezeiten zu vermeiden.
Hatte ich anfänglich noch Bedenken, ob die Besichtigung auf Dauer für Vincent etwas langweilig werden könnte, gab es nach 4,5 Stunden und 6,5 km Laufstrecke durch die ganze Anlage eine klare Antwort: er fand es mega spannend und wollte im Anschluss auch noch das Museum besichtigen. Hier streikten dann allerdings die Eltern.

Der Burgberg war bereits in vorrömischer Zeit besiedelt. Nach der Eroberung der iberischen Halbinsel erbauten die Mauren hier eine Burg. Urkundliche Erwähnung fand sie während der Bürgerkriege des 9. bis 12. Jahrhunderts als „Ma’qil Ilbīra“ (Elvira-Festung). Sie bewies ihren Wert als Festung auch in mehreren Kriegen gegen das Kalifat von Córdoba.

Als erstes bummelten wir durch die vorgelagerte Gartenanlage Generalife. Es ist ein wunderschön angelegter Garten im maurischen Stil mit hohen Hecken, jeder Menge Brunnen und einer Unmenge an Blumen und Orangenbäumen. Aktuell fängt gerade alles an zu blühen, ein Wahnsinnsduft, den man sogar durch die Maske wahrnimmt. Dank der wenigen Besucher lässt sich hier auch wunderbar Verstecken und Fangen spielen.

Anschließend ging es zu den eigentlichen Palästen. Für die Nasridenpaläste muss man vorab eine Besuchszeit angeben, die auch auf keinen Fall verpasst werden darf. Zusammen mit einer Gruppe von Besuchern gelangt man in das Innere der Gebäude. Aufgrund des maurischen Baustils befinden sich an allen Wänden und Torbögen filigranste Steinmetzarbeiten. Es ist alles so toll erhalten, dass man tatsächlich erwartet, im nächsten Raum dem Sultan zu begegnen. Ein wenig erinnerten mich die Räume an das Märchenvorlesezimmer im Pionierpalast, dem heutigen Schloss Albrechtsberg, in Dresden. Wirklich unbeschreiblich schön.

Von der angrenzenden Festung Alcazaba hat man einen weitläufigen Blick über die weißen Gebäude der alten Stadt von Granada. 

Reisestrecke: 310 km

Unterirdisch: Guadix

29. April 2021

Schon viel darüber gelesen und auch schon einmal in Griechenland gesehen, aber trotzdem mega beeindruckend: Die Höhlenwohnungen in Guadix. Ingesamt gibt es in Spanien noch über 5.800 Höhlenwohnungen, über 1.500 allein in diesem Ort.
Ursprünglich wohnten die Ärmsten der Armen in diesen Wohnungen, noch Anfang des 20. Jahrhunderts kostete eine Höhlenwohnung umgerechnet 1,80 EUR. Inzwischen kann man Wohnungen im Wert von bis zu 120.000 EUR erwerben. Das nenne ich einmal eine krasse Wertsteigerung.

Guadix ist ein kleiner Ort im Parque Natural Sierra de Baza. Das Gestein der Felsen ist eine Mischung aus Lehm und Ton, was einerseits der Grund für die canyonähnlichen Formationen ist, anderseits ideal zum Ausbau der Höhlenwohnungen dient.
Im Ort gibt es einen alten Stadtkern mit Festung, Kathedrale und Kirche, aber am interessantesten sind natürlich die Wohnungen. Aus Umwelt-Gesichtpunkten ist diese Art zu bauen am nachhaltigsten: wenig Baumaterial, die Landschaft bleibt erhalten, ca. 50% weniger Stromverbrauch als normale Wohnungen und eine natürlich gleichbleibende Temperatur von ca. 20 Grad das ganze Jahr über, ohne zusätzlicher Heizung. Also nichts wie los auf die Suche nach einer Höhlenwohnung nahe München 😉

Früher wurden im Winter auch die Schweine und Esel mit in der Höhle untergebracht, Hühner mussten draußen bleiben, da sie sonst die weichen Lehmwände aufpickten. In den modernen Wohnungen befinden sich inzwischen auch fließend warmes Wasser sowie Bad und Toilettenspülung. Das Bad und die Küche befinden sich an der Außenwand, sodass ein Fenster für die Belüftung dienen kann. In den Innenräumen befinden sich die Schlaf- und Wohnzimmer.
Im Übrigen wurden in Guadix schon einige Filme gedreht, unter anderem Indiana Jones.

Ringsherum bietet sich ein Wahnsinns-Blick auf die Berge und Täler. Irgendwie erinnern sie an die amerikanischen Canyons. Im Hintergrund sind noch die schneebedeckten Gipfel zu sehen. 

Sich mal treiben lassen

30. April – 1. Mai 2021

Die letzten beiden Tage sind wir etwas entspannter angegangen. Da sich die Sonne Spaniens weiterhin etwas ziert und damit die Temperaturen nicht den warmen Vorstellungen entsprechen (10-14 Grad in den Bergen), haben wir mal ausgeschlafen und im Wohnwagen etwas herumgetrödelt.
In der Nähe des Campingplatzes hatte Mattes eine schöne Wanderung rausgesucht. Normalerweise hätte man super in die Sierra Nevada und über Granada sehen können, aber aufgrund der Wolken gibt es dazu keine Bilder.
Nachmittags trafen wir uns mit einer sehr netten deutsch-spanischen Familie am Spielplatz in Granada, die uns noch wertvolle weitere Tipps für Granada gegeben haben. Vincent war glücklich, endlich mal wieder mit einem Kind spielen zu können.

Heute versprach die Sonne etwas länger draußen zu bleiben, trotz eines kühlen Windes. Das nutzten wir gleich zu einer Radtour vom Campingplatz aus nach Granada. Bergauf, bergab, über verschiedene Trails schlängelten wir uns Richtung Großstadt und kamen letztendlich wieder an der Alhambra raus. Es ging weiter bergab in die Altstadt und zum Dom. Die Innenstadt ist wirklich schön, mit super vielen Restaurants und Bars, tollen Läden und natürlich jeder Menge Menschen.
Leider sind wir nicht so lange in der Stadt geblieben: einerseits waren es uns dann doch zu viele Menschen, andererseits war leider unsere Stimmung etwas gedrückt, da Mattes seinen Rucksack an einem Aussichtspunkt der Alhambra hatte stehen lassen und dieser nach ein paar Minuten leider weg war. Zum Glück waren die Wohnwagenschlüssel, das Fahrradschloss, Kreditkarten und Geld heute ausnahmsweise mal in meinem Rucksack. Ärgerlich war es trotzdem.

Link zur Tour

Höhenmeter: ca. 1.300 hm
Kilometer:      ca. 55 km
Zeit:                 ca. 3,5 Stunden ohne Pause

 

Hier noch ein paar Restaurant Tipps von echten Einheimischen:

Restaurante Los Manueles – typisches Restaurant in der Nähe vom Plaza Nueva

Kiosko Las Titas – gemütliches Restaurant innerhalb eines Parkes

Rollo – kleines, gemütliches Restaurant in der Nähe des Domes

Café Fútbol – eine traditionelle Cafeteria, besonders beliebt für Churros

Heladería Los Italianos – die berühmteste Eisdiele in Granada, am leckersten ist wohl Stracciatella

Trails vom Feinsten

2. Mai 2021

Bevor es wieder an die Küste ging, zog es uns noch einmal in die Berge. Das Wetter spielte mit, die übrig gebliebenen Rucksäcke waren gut verteilt, somit stand einer Radtour nichts mehr im Weg.

In der Nähe unseres Campingplatzes, in der Sierra de Huétor, hatte Mattes wieder eine Tour aufgetan, die bisher unser Highlight in Spanien war. Das grüne Naturparadies lockt mit spektakulären Aussichtspunkten, geheimnisvollen Höhlen und einer reichen Pflanzenwelt, wie Rosmarin, Lavendel, Thymian und Melisse. 
Anfänglich über einen breiten Forstweg, später übergehend in schmale Trails führte uns die Radtour quer durch duftende Tannen und Zedern. Trails bergauf, entlang des Bergkamms und wieder bergab, Kilometer für Kilometer. Und immer im Hintergrund die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada mit seinem Skigebiet. Wirklich eine traumhafte Gegend.

Link zur Tour

Höhenmeter: ca. 467 hm
Kilometer:      ca. 22 km
Zeit:                 ca. 2 Stunden ohne Pause

 

Zentrales Andalusien

3. Mai 2021

Von Granada aus sind wir durch das Landesinnere Andalusiens Richtung Cádiz gefahren. Irgendwie hatte ich mir Andalusien immer recht trocken, fast wüstenähnlich vorgestellt, aber in den verschiedenen Nationalparks auf unserer Strecke hätte man durchaus auch den Film „Highlander“ drehen können. Saftige grüne Wiesen und Felder, Bäume soweit das Auge reicht und jede Menge Olivenbäume. Gut, die hätten in den Film vielleicht nicht so recht reingepasst. Ein weiterer Hingucker ist der Ort Olvera: auf einem Hügel mitten im Ort befinden sich eine weithin sichtbare Pfarrkirche und eine Burgruine. Beide sind über den ganzen Hügel verteilt von weißen Häuserreihen umgeben. Der Ort erinnerte mich irgendwie an „Herr der Ringe“. 

Leider sind wir erst zu spät auf die Stadt Ronda aufmerksam geworden. Wir wollten nicht mit Wohnwagen und Rädern auf dem Dach dort parken und sind somit weiter gefahren. Das bereue ich tatsächlich.
„Ronda gehört zu den berühmten Weißen Dörfern und liegt auf der gleichnamigen Route der malerischen Orte in Andalusien. Aus vielen Perspektiven beeindruckend ist die Puente Nuevo – die Neue Brücke. Sie spannt sich über die nicht minder imposante 120 Meter tiefe Schlucht El Tajo. Die Stadt besitzt zudem viele architektonische Schönheiten, darunter eine der ältesten Stierkampfarenen in Spanien.“ (www.Andalusien360.de

Ziel unserer Fahrt war der Campingplatz Rosaleda an der Atlantikküste, zwischen Cádiz und Tarifa. Der Platz ist sehr schön, sauber und gepflegt. Leider nicht direkt am Strand. Derzeit sind kaum Urlauber auf dem Platz, in der Hochsaison ist es allerdings vorbei mit der Beschaulichkeit. Im Ort Conil gibt es einen super langen feinsandigen Strand, eine Strandpromenade und natürlich jede Menge Restaurants. Im Mai ist hier Thunfischzeit und dazu werden in allen möglichen Varianten leckere Tapas und Fischgerichte angeboten.

Reisestrecke: 330 km

Cádiz

4. Mai 2021

Endlich ist es warm…fast ist es schon wieder zuviel des Guten. Bei starkem Wind am Campingplatz gestartet, erwarteten uns auf der kleinen Halbinsel Cádiz 25 Grad im Schatten. Lustigerweise sonnten sich einige der Einheimischen bereits am Strand (ca. 18 Grad Wassertemperatur), während die anderen noch mit dicker Strickjacke durch die engen Gassen unterwegs waren.

Cádiz, die älteste Stadt Westeuropas, wurde nach der Entdeckung Amerikas bedeutend und blühend als ein Hauptstapelplatz des spanischen Handels mit den überseeischen Kolonien und als Hafen der spanischen Silberflotte. Von einem kleinen Ort im Golf von Cádiz namens Puerto de Santa María aus, war auch Kolumbus auf seiner zweiten Reise im Jahr 1493 zur Neuen Welt gesegelt.

Man erreicht die Halbinsel unter anderem über eine imposante Hängebrücke, die in krassem Gegensatz zu den historischen Sehenwürdigkeiten in der Stadt selbst steht.

Die Hauptattraktionen sind die Kathedrale, das Römische Theater, der Torre Tavira mit einem Rundumblick über die Stadt und die Kirche des Heiligen Kreuzes. Alles gut in Laufnähe ereichbar. Zwischen den engen Gassen befinden sich wieder unzählige Bars und Restaurants, in die man am liebsten überall einkehren würde.

Über eine schmale Landzunge ist ebenfalls die Anfahrt nach Cádiz möglich. Hier gibt es einen kleinen Stellplatz für Camper direkt am Strand. Ich weiß nicht, ob die Position genau stimmt, aber so ungefähr sollte es passen.

 

 

Spanische Atlantikküste
Costa de la Luz

5. – 6. Mai 2021

Sommer, Sonne, Strand und Meer, und das bereits Ende April, Anfang Mai. Was will man mehr.
Die Costa de la Luz erstreckt sich von der portugiesischen Grenze bis nach Tarifa, dem südlichsten Punkt Spaniens. Die letzten beiden Tage haben wir den Küstenabschnitt zwischen unserem Campingplatz und Tarifa erkundet. Kilometerlange weiße Sandstrände und vor allem nahezu naturbelassenes und wenig bebautes Hinterland prägen die Gegend. Ganz anders als die Ostküste Spaniens. Hotels und kleine Dörfer fügen sich in die Landschaft ein und nicht umgekehrt. Für Camper gibt es zahlreiche Stellplätze direkt am Meer mit fantastischen Ausblicken. Uns bleibt diese Art des Übernachtens leider verwehrt, da wir mit unserem Wohnwagen auf Strom angewiesen sind. Wirklich eine traumhafte Gegend, so ganz anders als erwartet.

In einem kleinen Ort namens Bolonia befindet sich die Baelo Claudia, eine römische Ruinenstadt. Zu besichtigen sind heute u. a. die Reste eines Aquäduktes, ein Theater, eine Basilika sowie eine Badeanlage mit Fußbodenheizung und einer Fischmanufaktur.
Der Ort galt hauptsächlich der Verarbeitung von Thunfisch und zur Herstellung der begehrten Fischsauce Garum. Naja, man muss Fisch schon sehr mögen, um diesen Geruch schmackhaft zu finden. Von hier aus wurden die Produkte in das gesamte römische Reich, vor allem nach Rom exportiert.

An dem gesamten Küstenabschnitt zwischen Cádiz und Tarifa wurden und werden immer noch hauptsächlich Thunfische gefangen und verarbeitet. Auch findet man überall noch alte Salzanlagen aus der römischen Zeit, in denen der Fisch haltbar gemacht und das Garum hergestellt wurde. Der Thunfisch ist deshalb hier der meistgefangene Fisch, da er im Frühjahr und Herbst die Strasse von Gibraltar passiert, um im Mittelmeer zu laichen. 

Am westlichen Ende des Sandstrands von Bolonia befindet sich die seit 2001 für ihre ökologische Bedeutung als Naturmonument geschützte Düne von Bolonia. Die Düne, mehr als 30 m hoch und 200 m breit, wie auch die sie umgebenden Berge sind Teil des Parque Natural del Estrecho (Naturpark Straße von Gibraltar). Der Dünenkomplex gehört zu den wenigen in Andalusien, die – gespeist vom Wind Levante, der hier frontal auf das Ende der Bucht prallt – fortdauernd ins Landesinnere vorrücken. Abgesehen von Strandhafer können sich unter diesen Bedingungen keine Pflanzen ansiedeln. Das kontinuierliche Fortschreiten des Sandes führt unweigerlich zum Absterben der Pinien, die dabei verschüttet werden. (Wikipedia)

Ein 40-minütiger Wanderweg führt zu natürlichen Meerespools, die aber nur bei Ebbe besichtigt werden können. Wir haben es aus Zeitgründen bleiben lassen.

Der nächste Stopp war Tarifa, die wirklich südlichste Stadt der iberischen Halbinsel und nicht, wie von mir bisher angenommen, Gibraltar. Die Stadt ist bekannt durch seine Surfspots. Dementsprechend herrscht auch innerhalb der Stadt ein wunderbarer Kontrast zwischen alten Festungen und Wachtürmen und chilligen Bars, Restaurants und Surfer Läden. Ein Paradies 😉
Von hier aus sind es nur 14km bis nach Afrika, man kann über die Strasse von Gibraltar Städte, Berge, sogar Felder und Windräder sehen. Irgendwie war es für uns nicht fassbar, dass das Afrika sein sollte. Dazwischen drängen sich jede Menge großer Containerschiffe, Öltanker, Fischerboote, etc. Täglich sollen hier bis zu 300 Schiffe durchfahren. Wahnsinn, was da für ein Verkehr herrscht.

Und natürlich dürfen auch die langen weißen Sandstrände nicht fehlen, die Vincent Dank Klappspaten ordentlich durchpflügt hat. Ich muss schon sagen, so ein Klappspaten ist echt Gold wert.

Endlich Algarve

Wir haben es geschafft! Wir sind in Portugal. Eigentlich wollten wir uns in diesen Tagen noch Sevilla ansehen. Allerdings herrschen hier aktuell 30 Grad. Deshalb haben wir zugunsten der guten Stimmung in unserer kleinen Reisetruppe den Besuch verschoben. Stattdessen fuhren wir geradewegs nach Albufeira zu einem Campingplatz mit Swimmingpool, sehr zur Freude von Vincent.

Überhaupt muss ich an dieser Stelle einmal ein großes Lob an Vincent aussprechen, da er auf den langen Autofahrten immer super durchhält und alles brav über sich ergehen lässt. Dank der Hörbuchreihe „Was ist was“, die wir gemeinsam im Auto hören, lernt nicht nur Vincent etwas über das alte Rom, die Germanen, die Zeit, die Sterne, etc… Und die Zeit vergeht auch noch wie im Flug. 

Da es dieses Mal keine Landschaftsfotos gab, hier einmal ein Eindruck von unserem fahrenden Schneckenhaus.

Reisestrecke: 370 km

Strände, Strände, Strände

8. – 10. Mai 2021

Ab Faro bis zum südwestlichsten Zipfel Portugals bilden bis zu 30 Meter hohe rötliche Kalksteinfelsen und Höhlen eine imposante Küstenlandschaft. Überall gibt es kleinere Strandabschnitte mit herrlichem feinen Sand. Wir waren am Strand von Praia da Marinha zwischen Albufeira und Carvoeiro. Es gibt oberhalb der Felsen einen Wanderweg, der zu insgesamt 7 Buchten führt. Allerdings sollte man hier festes Schuhwerk anziehen. Dann ist der Weg auch gut für Kinder ab 5-6 Jahren machbar.

Die Praia da Marinha ist bekannt für seine Unterwasserwelt, Tauchen und Schnorcheln sind hier sehr beliebt. Uns war allerdings das Wasser noch viel zu kalt, um überhaupt daran zu denken. Allerdings möchten wir in den nächsten Tagen noch einmal mit dem SUP zu einer der Buchten fahren. Zwischen den einzelnen Felsen und den Höhlen hindurch zu paddeln, muss sehr schön sein.

Die letzten beiden Tage hat es hier zeitweise geregnet, sodass wir noch nicht in die Lagunenlandschaften östlich von Faro vordringen konnten, wo es kilometerlange flache Sandstrände gibt. Desweiteren hat Mattes natürlich wieder ein paar spannende Radtouren im Hinterland ausfindig gemacht, die auch noch auf unserem Programm stehen. Deswegen werden wir es hier wohl noch eine Weile aushalten.

Das Schlechtwetter-Programm sah Drachensteigen, ausgiebiges Essen und einen Bummel durch Faro vor. Allerdings ist Faro nichts, was man unbedingt gesehen haben muss, außer die Vielzahl an Störchen, die pro Turm oder Hausdach gleich mehrere Nester nebeneinander bauen.

Nach Regen kommt Sonne

11. – 12. Mai 2021

Die letzten Tage bestanden aus dicken grauen Wolken, starkem Wind und teilweise Regen. Da war die Stimmung im Wohnwagen Nitsche etwas im Keller. Aber nachdem wir gelesen haben, dass im Norden von Portugal auf den Bergen der Serra do Larouco und der Sera da Estrela sogar Schnee gefallen ist, waren wir doch wieder etwas positiver gestimmt. Bei uns war es wenigstens noch so warm, dass wir nicht versuchen mussten, unsere zickige Gasheizung in Gang zu setzen.

Aber heute hatte die Sonne endlich ein Einsehen mit uns. An der Küste der Praia da Falésia, unweit von Albufeira, radelten wir oberhalb der Steilküste, ca. 6 km in eine Richtung, über schöne Trails immer leicht bergauf und bergab. Es boten sich herrliche Blicke auf den kilometerlangen Sandstrand zu unseren Füßen und den hohen Felswänden in ockerfarbenen Farbtönen. Das Gestein besteht aus Sandstein und Ton, weshalb durch Regen tiefe Schluchten und ungewöhnliche Formen entstehen.

Erstes SUP Highlight

13. Mai 2021

Praia de Albandeira

Am „Ende der Welt“

14.-15. Mai 2021

Von Albufeira aus sind wir ein Stückchen weiter Richtung Westen gezogen, nur 59 km vom anderen Campingplatz entfernt. An unserem neuen Standort in Lagos, dem Campingplatz Turiscampo, kommt endlich auch Vincent auf seine Kosten. Er hat hier Freunde gefunden und kann sich mit ihnen in der großen Außen-Poolanlage, oder im beheizten Indoor-Pool tummeln. Nur wichtig zu wissen: Wie auf allen größeren Campingplätzen mit Kinderangeboten ist natürlich am Wochenende die Hölle los, egal zu welcher Saison.

Von Lagos aus ist es nicht mehr weit bis zum Kap des heiligen Vinzenz, dem Cabo de Sao Vicente. Zusammen mit der benachbarten Halbinsel Ponta de Sagres bildet die Gegend den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Bereits für die Römer war das Kap ein magischer Ort am Ende der Welt, an dem die Götter wohnen und die Sonne im Meer versinkt.

Auf den über 60m hohen Steilklippen trotz ein Leuchtturm Wind und Wellen. Dessen Lichtkegel reicht mit 32 Seemeilen (knapp 60 Kilomter) über den Atlantik und gilt als der lichtstärkste Leuchtturm Europas. Man hat von hier aus einen tollen Blick auf den Atlantik und kann einen großartigen Sonnenuntergang beobachten. Wir leider nicht wegen unseres Minis.
Außerhalb von Corona & Co. bieten fliegende Händler ihre Waren am Leuchtturm feil. Ein besonderes Highlight soll die „Letzte Bratwurst vor Amerika“ sein, ein Stand von fränkischen Auswanderern mit Original Nürnberger und Thüringer Wurstspezialitäten. Also jetzt gibt es wirklich eine Ausreden mehr, nicht nach Portugal zu reisen. Leider hatten wir nicht das Glück, die Bratwurst zu probieren, da wie gesagt, pandemiebedingt alles sehr leer und verlassen ist.

Entlang der Klippen hat man traumhafte Ausblicke auf Felsen und Brandung. Aber Achtung: Die Temperaturen sind meist ein paar Grad niedriger als in den Urlaubsregionen der Südküste. Zudem kommt starker Wind bis Sturm dazu. Passende Kleidung und festes Schuhwerk für den unebenen Klippenrand sind sehr zu empfehlen.

Aufgrund des starken Windes ist diese Gegend rund um das Kap eine beliebte Surfregion. Auf dem Weg zwischen dem Kap und Sagres findet man einige Surfstrände, oder aber man traut seinem Auto und seinen Fahrkünsten etwas zu und fährt vom Leuchtturm aus zum Praia do Telheiro. Über einen unbefestigten, holprigen Weg gelangt man zu einem kleinen Parkplatz, von wo aus man die 60 Höhenmeter hinunterlaufen kann. Oder man schaut nur von oben den Surfern zu. Eine beeindruckende Landschaft.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz besichtigten wir das neu erbaute Fort auf der Halbinsel Ponta de Sagres. Laut Vincent fehlte da die Action. Wir empfanden es alle als etwas langweilig, so dass der Besuch so kurz wie möglich ausfiel.

Einen Abstecher legten wir schlussendlich in dem kleinen, ehemaligen Fischerdorf Salema ein. Im Restaurant A BOIA direkt am langen, feinsandigen Strand gab es wunderbar frischen Fisch, quasi direkt vom Fischerboot. Wir waren hier gleich an zwei verschiedenen Tagen essen. Rechts vom Ort, am Strand, befinden sich im Felsen  Dinosaurierabdrücke. Muss man sie nicht zwingend gesehen haben, für Vincent waren sie das Highlight des Tages.

Reisestrecke: 59 km

Vom Winde verweht

16. Mai 2021

Eher weggeblasen hat es uns vom 902m hohen Foia, dem höchsten Punkt der Algarve. Das vulkanische Gebirgsmassiv der Serra de Monchique zieht sich knapp 30km entlang der Küste und ist eine willkommene Abwechslung zum Strandurlaub – egal, ob per Auto, zu Fuss oder mit dem Fahrrad.

Vom Foia aus hat man einen grandiosen Rundum-Blick mit kilometerweiter Sicht bis zu den Stränden der Algarve. Allerdings haben wir uns die Aussicht aufgrund des starken Windes nur ein paar Minuten gegönnt. Dann ging es mit dem Rad die ersten Trails mitten durch ein Meer von Zistrosensträuchern, Lavendelbüschen, gelben Mimosen und pink blühender Rhododendron. Anschließend tauchten wir in einen dichten Wald von Eukalyptusbäumen ein, gespickt mit Korkeichen, aus denen Flaschenkorken, aber auch Schuhe, Taschen, Gürtel etc. hergestellt werden. Es ist wirklich eine wunderschöne Gegend.

Zum Abschluss dieser Tour wollten wir eigentlich in Marmelete die Casa do Medronho besuchen, in der der Herstellungsprozess rund um den lokalen hochprozentigen Erdbeerschnaps (Medronho) erklärt wird. Natürlich hatte auch das Museum geschlossen, aber zum Glück konnten wir den Schnaps in einem Restaurant probieren und nahmen gleich eine Flasche mit. Na dann, Prost!

 

 

Zweites SUP Highlight

17.-18. Mai 2021

Ponta da Piedade

Servus Algarve

18.-20. Mai 2021

Unser Aufenthalt an der Algarve nähert sich so langsam seinem Ende. Lissabon und Umgebung rücken in greifbare Nähe. Aber ein bisschen Wehmut habe ich schon, denn uns hat es hier im Süden wirklich gut gefallen.

Im Vergleich zum Süden Italiens, den wir im Herbst für längere Zeit bereist hatten, ist die Algarve super sauber. Man sieht kaum irgendwo Müll, weder am Strand, noch am Straßenrand oder in den Wäldern. Die Häuser, egal ob in den größeren Städten oder in den entlegensten Fischerdörfern sehen sehr gepflegt und behaglich aus. Und was uns anfänglich etwas gestört hatte – kein Campingplatz in Strandnähe – stellte sich im Nachhinein als großer Vorteil heraus: Aufgrund der unbebauten Flächen durch Hotelanlagen, Campingplätze und Co. ist es jedem möglich, zu Fuss oder per Fahrrad überall an die Steilküste zu gelangen und die kleinen verträumten Sandbuchten zu erreichen.

Zur Abwechslung von Strand und Meer besuchten wir das Zoomarine, einen Vergnügungspark in der Nähe von Albufeira. Theoretisch müßte man 2 Tage für den Besuch einplanen, wenn man ganz entspannt alles besichtigen und nutzen möchte. Verschiedene Wasserrutschen und Wasserparks, ein Wellenbad und kleinere Pools sorgen für Abkühlung an heißen Tagen. Karussells, Achterbahn, Schiffschaukel und verschiedene Themenparks haben Vinci’s Herz höher schlagen lassen. Und wer möchte, kann bei einer Delfin-, Robben- oder Papageienshow die Tiere von Nahem beobachten.

Neues Keramik Geschirr gefällig? In der Töpferei Ceramica Paraiso gibt es gefühlt hunderte verschiedener Decors, Farben und Formen von Tellern, Schüsseln, Tassen und Vasen. Eine schnelle Auswahl ist fast unmöglich. Ich konnte mich leider nicht entscheiden und bin unverrichteter Dinge wieder gegangen. Ich hoffe aber, an anderer Stelle in Portugal noch einmal einen ähnlichen Laden zu finden.

Lissabon

21.-22. Mai 2021

Von der Algarve aus fuhren wir auf dem schnellsten Weg Richtung Lissabon, da es mit dem Wohnwagen an der Küste entlang etwas knifflig werden kann. Die Autobahn führt mitten durch das Land, die Gegend ist wenig spannend. Allerdings entdeckten wir kurz vor Lissabon wieder eine Vielzahl an Störchen. Bereits in Andalusien und an der Algarve befanden sich auf vielen Strommasten, Kirchtürmen und größeren Häuserdächern zahlreiche Storchennester. Aber hier haben es die Störche noch einmal getoppt. Man kann schon von Storchen-WGs sprechen.

Unser nächster Campingplatz Orbitur Guincho befindet sich in perfekter Lage zum Strand, aber man kann auch Lissabon von hier aus sehr gut erreichen. Und das nutzten wir auch gleich zu einem Besuch der Hauptstadt. Wenn man entlang der Küste nach Lissabon fährt, hat man einen super Blick auf das Ufer des Tejo mit der Cristo-Rei Statue und der Brücke Ponte de 25 Abril, die ein wenig an die Golden Gate Bridge erinnert. Kurz nach der Brücke gibt es bei den Docks einen Tagesparkplatz für 3 Euro. Allerdings muss man dann ca. 20 Minuten ins Zentrum laufen, bzw. zur Haltestelle der Strassenbahn Nr. 28.
Die aus den 30er Jahren stammende Bahn rumpelt durch die engen Strassen, bergauf und bergab, teilweise in einem Tempo, bei dem man doch sehr froh über einen Sitzplatz ist. Vor allem, wenn sie an jedem Fußgängerübergang scharf bremst. Aber mit ihr lassen sich die beliebtesten und belebtesten Stadtteile erreichen und man gewinnt einen tollen Überblick über die Stadt. Für uns war die Bahn das schönste Erlebnis in Lissabon.

Aber natürlich besichtigen wir auch das Castelo de Sao Jorge – Burg- und Palastruinen aus der maurischen Zeit, die Kirche von Sao de Vicente de Fora, die Igreja de Santa Engrácia – eine Barockkirche, die heute Mausoleum ist, sowie den Aufzug von Santa Justa, in einer Gegend mit vielen Restaurants, Bars und Geschäften. Den Abschluss bildete der Torre de Belém, ein historischer Verteidigungsturm aus dem 15. Jahrhundert.

Reisestrecke: 330 km

„Endlich wieder Action“…

23. Mai 2021

…sagte der Vincent und ließ sich gemütlich von Papa die Trails hinunter schaukeln.
Das Sintra-Gebirge ist das Trail Eldorado nahe Lissabon. Es gibt hier unzählige Trails, welche Mountainbiker von Hand in den Wald geschaufelt haben. Durch dunkle, engbewachsene Wälder, über blühende Ebenen bis zu Abfahrten direkt zum Meer – für jeden ist das Passende dabei. Und am Strand warten dann lässige Bars mit Ausblick auf die Wind- und Kite-Surfer, wie in der super lässigen Bar do Guincho mit leckeren Cocktails und gutem Essen. 

Wir sind unter anderem den Donkey Trail gefahren. Bei der ganzen Abfahrt hatten wir immer das Meer vor Augen. Traumhaft schön. Der Trail gehört definitiv zu einer der schönsten Touren, die wir bisher gefahren sind. 

Link zur Tour

Höhenmeter: ca. 957 hm
Kilometer:      ca. 30 km
Zeit:                 ca. 2,45 Stunden ohne Pause

Die Tour ließen wir abends im Restaurant 3 Gomes Revue passieren, bei feinem Fisch, Tapas und Nudeln und das auch noch zu moderaten Preisen. Wir haben festgestellt, dass zum Teil die Restaurants direkt am Meer sehr teuer sind.

Vom 3 Gomes aus sind es dann mit dem Auto nur 3 Minuten bis zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Kontinentaleuropas (wieder eine Superlative). Von dem rot-weißen Leuchtturm aus wollten wir zum Abschluss den Sonnenuntergang beobachten. Leider hat ein Wolkenband am Horizont uns den Anblick verwehrt.

Lissabons Hinterland

24.-30. Mai 2021

Die letzten Tage haben wir es eher etwas ruhiger angehen lassen. Wir entdeckten für uns das Hinterland von Lissabon und es gefällt uns von Tag zu Tag besser. Im Sintra Naturpark waren wir in der Zwischenzeit häufiger Fahrrad fahren, auch für Vincent war das ein oder andere Highlight dabei und er hatte mächtig Spaß, durch die schmalen Trails, über Wurzeln, Steine und Holzbrücken zu sausen.

Wir versuchten uns auch mit einem Strandtag. Allerdings war der Wind wieder so heftig, dass wir uns eher Sand gestrahlt, als Sonnen gebräunt gefühlt haben. Somit brachen wir das Unternehmen wieder ab.

Der nächstgelegene Ort Cascais ist ein alter Fischerort, von dem jetzt der Stadtkern noch etwas erahnen lässt. Es gibt jede Menge Bars und Restaurants und man kann etwas bummeln gehen. Zusätzlich besichtigten wir noch den Boca do Inferno, den Höllenschlund in der Nähe vom Stadtzentrum. Das Wasser des Atlantiks hat Zugang zum tiefen Grund der Schlucht. Bei Flut werden die Wellen in die senkrechten „Felsschlote“ gepresst und weit nach oben an Land geschleudert. Klingt jetzt spannender als es war, aber die Steilküste war schon schön.

Wirklich sehenswert und auch spannend für Kinder ist dagegen die Umgebung rund um Sintra. Da es in der Stadt sehr eng zugeht und es eine beliebte Touristengegend ist, gibt es hier nur sehr wenig Parkplätze. Am besten, man fährt mit dem Zug. Der Aufwand lohnt sich aber.
Sintra ist der Inbegriff der Romantik. Die wichtigsten Schlösser, Monumente und Paläste Portugals befinden sich hier auf einem Fleck. Angefangen mit dem Palácio da Pena, einem farbenfrohen Schloss mit vielen kleinen Steinmosaiken und Kacheln verziert, welches hoch über dem Ort drohnt mit einem Rundumblick über Meer, Tejo und Lissabon. Hier möchte ich einmal Prinzessin sein.
Auf dem gegenüberliegenden Hügel befindet sich das Castelo dos Mouros, ein maurisches Kastell mit einer sehr gut erhaltenen Mauer, auf der man herumlaufen kann. Hier würde Vincent gerne einmal die Ritterzeit erleben wollen. 

Vom Castelo aus kann man Richtung Stadt laufen, vorbei an weiteren kleineren Adelshäusern, Brunnen und schönen Aussichten. Nebenbei bemerkt befinden sich hier auch jede Menge Kletterrouten bis Schwierigkeitsgrad 8c.

In Sintra selbst befinden sich der Palácio Nacional, der Königspalast und das Schloss Quinta da Regaleira. Wir bummelten durch den Park dieses Schlosses. Unter anderem befinden sich hier ein Turm, der in den Berg hinein gebaut worden ist, verschiedene unterirdische Gänge, ein Höhlenlabyrinth, kleinere Türme, die man besteigen kann und ganz viele verschiedene Pflanzenarten. Vincent war wieder total begeistert.

Nach einem weiteren Faulenzertag beamten wir uns in die Jura Zeit zurück. In der „Dinosaurier Hauptstadt“ Lourinha, bekannt durch seine zahlreichen Funde von Spuren und Fossilien, befindet sich ein riesiges Freilichtmuseum mit mehr als 120 naturgetreuem Urzeitgetier, Fossilien und Informationen um die in der Region gefundene Dinosaurierspezies Lourinhanosaurus.

Last but not least gab es dann doch noch einen wunderschönen Sonnenuntergang, wenn auch wieder echt windig. Sand und Wassertropfen pfiffen abwechselnd um unsere Ohren.

Pilgertag

31. Mai – 1. Juni 2021

Von Lissabon aus ging es weiter Richtung Norden mit einem kurzen Stopp in Nazaré. Aufgrund des Wetters hatten wir jedoch noch keine Gelegenheit, die hohen Wellen zu sehen, sondern nutzten den Tag für Templerorden und Pilgerstätte und hofften auf göttliche Eingebungen.

Der erste Stopp galt dem Convento de Cristo in Tomar, eine 1162 von Tempelrittern gegründete Wehr-Klosteranlage.
Ihr Kernstück ist noch immer die alte Rundkirche, die im Inneren einen weiteren oktogonalen Bau beherbergt. Vorbild für den Bau war, wie anhand der verwendeten Zahlenkombinationen festzustellen ist, eindeutig die Heilig-Grab-Rotunde in Jerusalem. Nach Auflösung des Templerordens 1312 durch Papst Clemens V. ging sie über in den Besitz des in Portugal neu gegründeten Ordens der Christusritter. (Wikipedia)

Ganz in der Nähe befindet sich ein Aquädukt, der die Klosteranlage mit Wasser speiste. Er ist noch sehr gut erhalten, man sollte jedoch schwindelfrei sein, wenn man ihn überqueren möchte. 

Weiter ging es nach Fatima, einem bedeutenden Wallfahrtsort der katholischen Kirche. Berichtet wird, dass am 13. Mai 1917 drei Hirtenkindern, Lúcia dos Santos und den Geschwistern Jacinta und Francisco Marto, auf einem Feld (wo heute die Erscheinungskapelle steht) die Jungfrau Maria erschienen sei. Diese habe ihnen befohlen, künftig an jedem 13. des Monats an diesen Ort zurückzukommen, um ihnen drei an die Welt gerichtete Nachrichten anzuvertrauen. Als jedoch im Juli, August und September die Zahl der Schaulustigen immer größer wurde, kündigte die Erscheinung für den 13. Oktober ein Wunder an. Am fraglichen Tag hätten Zehntausende von Anwesenden ein Sonnenwunder gesehen – sie konnten problemlos die Sonne, die einer Silberscheibe ähnelte, anschauen, während sich diese wie ein Feuerrad gedreht habe. Die katholische Kirche erkannte die Erscheinungen offiziell an und begann mit dem Bau einer Pilgerkapelle, die sich zum heutigen Heiligtum entwickelte.

Anlässlich des 100. Jahrestages der Erscheinungen besuchte Papst Franziskus am 13. Mai 2017 Fátima und sprach dabei Jacinta und Francisco Marto heilig. Ihre Grabmale befinden sich in der Basilica Nossa Senhora da Fátima, die Ziel für viele Pilger ist. 2019 kamen rund 6,3 Millionen Pilger nach Fátima, mehr als zu allen anderen Wallfahrtsorten in Europa. (Wikipedia)

Uns blieben zwar jegliche Erscheinungen und Eingebungen verwehrt, trotzdem waren wir von der Gegend sehr angetan.

Reisestrecke: 143 km

The big wave
Nazaré

2. Juni 2021

Spektakuläre Brandungen, bis zu 30 m hohe Wellen und Mekka der Extremsurfer…dafür ist Nazaré bekannt. Im Winter treffen sich hier die Besten der Besten, um sich beim „XXL Big Wave Award“ den Titel der höchsten gesurften Welle zu ergattern. Im Guiness-Buch der Rekorde steht der Amerikaner Garrett McNamara, der 2011 die bis dahin höchste Welle von 23 m gesurft ist. Allerdings wurde der Rekord in der Zwischenzeit schon wieder gebrochen. Die höchsten Wellen in Nazaré können bis 30 m hoch werden und natürlich sucht jeder nach der perfekten Welle. Sebastian Steudtner, einziger Deutscher, holte sich bereits 2 mal den begehrten Preis.

Die ungewöhnliche Höhe der hier brechenden Welle hat mehrere Ursachen. Vor der Küste befindet sich der Nazaré Canyon, eine über 230 Kilometer lange Meeresschlucht mit einer Tiefe von bis zu 5000 Metern. Das Ende dieses Unterwasser-Canyons liegt unmittelbar vor der Küste von Nazaré, wodurch sich auf engem Raum große Unterschiede in der Wassertiefe ergeben. Des Weiteren wird bei entsprechenden Bedingungen eine Wasserströmung entlang des Strandes an dem Felsvorsprung in das Meer gelenkt, so dass sich eine weitere Vergrößerung der Welle ergibt. (Wikipedia) 

Anbei zwei Bilder, wie es in Nazaré im Winter zugeht. Wir hatten allerdings die perfekte Möglichkeit, Vincent Murphey’s Law zu erklären. Die letzten Wochen blies uns permanent der Wind den Sand um die Ohren. Wir konnten abends kaum draußen sitzen, da es so windig war. Zum Teil war es sogar den Windsurfern zu viel. Aber am Strand von Nazaré legte der Wind eine Ruhepause ein. Kein Lüftchen bewegte sich. Die Höhe der Wellen war im Vergleich zum Guincho Strand bei Lissabon eher seicht.

Um die Stimmung wieder etwas zu heben, besuchten wir ein Surf-Museum direkt auf der Klippe. Hier sind die Bretter der besten Surfer ausgestellt, mit ein paar interessanten Infos zu den jährlichen Wettkämpfen sowie zum Nazaré Canyon.
Nach einem leckeren Fischessen ging es in die untere Stadt, vorbei an einer Schaukel mit wahrscheinlich dem schönsten Ausblick der Welt.

Nazaré bietet aber nicht nur für Surfbegeisterte die idealen Spots. Als Fischer- und Wallfahrtsort gibt es hier jede Menge zu entdecken, zu kosten und sich einfach treiben zu lassen. Wir werden allerdings aufgrund des Wetters weiter in den Norden ziehen.

Belesen in Coimbra

3.-4. Juni 2021

Da Mattes ja immer auf der Suche nach tollen Bikestrecken ist, steuerten wir als nächstes die Stadt Coimbra an, bei der sich in der Nähe die Mountain Bike Region Lousã befindet. Somit konnten wir Kultur und Trails gut miteinander verbinden. 

In Coimbra, die drittgrößte Stadt Portugals, ist die älteste Universität Portugals beheimatet. Seit 1290 ist die  Universidade de Coimbra ein Karrieresprungbrett der portugiesischen Elite für Posten in Politik, Wirtschaft, Justiz und Medizin. Teile der Universität können auch besichtigt werden. Besonders hervorzuheben ist die Biblioteca Joanina, eine prunkvolle Bibliothek mit mehr als 3.000 Büchern, teilweise bis zu 600 Jahren alt. 

Zwei noch spannende bzw. kuriose Details:

  • Nachts, nach Schließung der Bibliothek, trägt eine Fledermauskolonie zum guten Erhalt der Bücher bei, indem sie die Insekten frisst. Zuvor werden die Tische mit Ledertüchern abgedeckt, um das Erbe vor den Fäkalien der Tiere zu schützen.
  • Im Tresor der Bibliothek werden extrem selten Werke aufbewahrt, z. B. die erste Ausgabe der Lusiaden, eine in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts veröffentlichten hebräischen Bibel, von der weltweit nur 20 Exemplare existieren, oder die 48-zeilige Lateinische Bibel, die so genannt  wird, weil auf jeder Seite genau 48 Zeilen stehen und die 1462 von Partnern Johannes Gutenbergs gedruckt wurde und heute als schönste der ersten vier gedruckten Bibeln gilt. (https://www.centerofportugal.com)

Neben der Universität lässt es sich hier wunderbar durch die kleinen Gässchen schlendern, kleine Bars, Restaurants und Geschäfte machen die Stadt total gemütlich.

Als Gegenpol ging es nächsten Tag in den Louzan Park, um einmal die Trails zu testen. Allerdings waren wir etwas enttäuscht. Im Center war niemand anzutreffen und die Trails waren alle ziemlich zugewachsen. Naja, einen schönen Tag hatten wir trotzdem.

Reisestrecke: 110 km

Auf einen Port in Porto

5.-6. Juni 2021

Porto, die Stadt, der der Portwein und Portugal ihre Namen verdanken, hat ab sofort mindestens drei Fans mehr.

Mit dem Rädern radelten wir vom Campingplatz Orbitur Canidelo aus los, der direkt an der Küste nur wenige Kilometer von Porto entfernt liegt. Der Campingplatz selbst ist jetzt nicht der Brüller, aber er hat eine super praktische Lage.

Mit Fahrrad und Kind ist eine Stadtbesichtigung natürlich in vielerlei Hinsicht aufregend, sowohl für das Kind, als auch für die Eltern. Wir entschieden wir uns deshalb für unseren Fahrradanhänger, bei dem Vincent lauter interessante Dinge entdecken kann, ohne sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen und er immer am Mann, bzw bei der Frau bleibt. Mit unserem Gespann ernteten wir bisher schon jede Menge Blicke, Schmunzler, Daumen hoch und einmal sogar Applaus. 😉

Was gibt es alles zu sehen: Natürlich kann man wieder jede Menge Kirchen und Kathedralen besichtigen. Diese ließen wir weitgehend außen vor, obwohl viele von ihnen mit ihren blau-weißen Fliesengewändern an den Aussenwänden auf jeden Fall für einen näheren Blick sorgen. 

Bevor man den Fluss Douro überquert, kommt man an der Uferpromenade Cais de Gaia vorbei. Von hier aus hat man einen faszinierenden Blick auf die Altstadt Portos mit seinem ehemaligen Hafenviertel Ribeira, welches jetzt unzählige Bars und Restaurants beherbergt, die Kathedrale, den Torre dos Clérigos und die vielen kleinen Häuschen, die am Hang kleben.
Vor der Kulisse dümpeln Rabelos im seichten Fluss. So heißen die Holzbarken, mit denen früher Portwein-Fässer aus den Weinanbaugebieten am oberen Douro nach Porto transportiert wurden. Und genau dieser Portwein kann in einer der vielen Kellereien probiert werden, die sich am Ufer aneinander reihen. 

Und dann wandert der Blick zu den beiden Stahlbrücken Ponte Maria Pia, von Gustave Eiffel entworfen und 1877 eröffnet, sowie die Ponte Dom Luiz I., von Théophile Seyrig entworfen, einem ehemaligen Partner von Eiffel, welche 1886 eröffnet wurde. Die Ponte Dom Luiz I. ist die größere und noch aktive Brücke. Die obere Ebene ist freigegeben für Züge und Fussgänger, die untere Ebene für Autos und Fußgänger. Da wir natürlich ganz oben die Brücke überqueren wollten, war der erste Hügel Dank E-Bike kein Problem.

Bergauf und bergab ziehen sich die Strassen und Gässchen. An fast jeder Ecke befindet sich ein historisches Gebäude oder ein Wohnhaus mit einer bunten Fassade, Restaurants und Bars.
Ein typisches Gericht in Porto sind die Francesinhas („kleine Französinnen“), eine Art Fleischsandwich mit einer Basis aus Rindfleisch und diversen Schichten aus Käse, Schinken und einem Spiegelei mit einer würzigen Sauce obendrauf. Ein Frankreich-Auswanderer brachte das Rezept nach Porto und kreierte seine eigene Version.
Eine weitere Leckerei sind die Eclairs. Eine große Auswahl gibt es z.B. im Café Leitaria da Quinta do Paço.

Ein weiteres Highlight ist der Bahnhof São Bento. Die Wände der Eingangshalle sind mit blau-weißen Kachelbildern dekoriert, darunter die Schlacht von Ceuta und lokale Motive.
Und auch spannend, nicht nur für Vincent, war der Torre dos Clérigos. Der Kirchturm gilt als das Wahrzeichen der Stadt, ist 76 Meter hoch und kann bestiegen werden. Von hier bietet sich einem ein super Ausblick bis weit ins Hinterland. Zusätzlich bietet sich hier die seltene Möglichkeit, den Kircheninnenraum einmal von oben zu sehen. Eine wirklich schöne Kirche.

Auf dem Rückweg mussten wir dann doch noch in eine Portwein Kellerei einkehren und verschiedene Weine probieren. Im 18. Jahrhundert wurden die Weinfässer mit den Rabelos aus dem Weingebiet des Douro-Tals nach Porto und mit Frachtern nach England verschifft. Um den Wein für die lange Reise haltbar zu machen, wurde Brandy hinzugefügt. Das Endergebnis fand bei den Briten großen Anklang und schon war der typische Portwein geboren. Sehr lecker, sehr schwer und sehr lustig, anschließend zum Campingplatz zu radeln. 

Aufgrund der Länge dieses Beitrags im Vergleich zu Lissabon ist wahrscheinlich sehr offensichtlich, welche Stadt uns mehr beeindruckt hat. Für uns war Porto die bisher schönste Stadt in Portugal und vermutlich war es noch nicht der letzte Besuch in diesen Tagen.

Reisestrecke: 125 km

 

Schwindelfrei in Arouca

7.-8. Juni 2021

Ausschlafen, faulenzen, ein wenig shoppen, im Pool planschen – das musste auch mal wieder sein. Und da der nächste Tag bereits auch verplant war, genossen wir den „freien“ Tag umso mehr.

Am nächsten Tag hieß es 6 Uhr aufstehen, da wir für 8:30 Uhr ein Ticket für die 516 Arouca, die längste und höchste Fußgänger-Hängebrücke der Welt im Geopark Arouca ergattert hatten. Durch Zufall sind wir darauf gestoßen, dass man nur online Tickets buchen kann und auch nur bestimmte Zeitslots zur Verfügung stehen. Aktuell ist ja in Portugal, touristisch gesehen, noch tote Hose und trotzdem stand uns nur der Termin um 8:30 Uhr zur Verfügung, alles andere war bis Ende der Woche ausgebucht.
Auch wichtig zu wissen, die Überquerung erfolgt nur mit einem Guide, Kinder unter 6 Jahren dürfen nicht auf die Brücke.

Wir parkten in Alvarenga, von da aus muss man nicht soweit den Berg hoch laufen, um zum Eingang zu kommen. Trotzdem sind es ca. 1 km Fussmarsch. Und dann breitete sich die Brücke vor uns aus. Die 516 Arouca überquert den Rio Paiva mit einer Länge von 516 m und ragt über der Schlucht in 175 m Höhe. Damit gilt sie als längste Fußgänger-Hängebrücke der Welt, obwohl sie in manchen Quellen mit der Baglung-Parbat-Hängebrücke in Nepal konkurriert.

Ich hatte schon ein leicht mulmiges Gefühl und mein Magen machte sich auch etwas bemerkbar, was nicht nur an der kurvigen Anreise lag. Es war ein wenig wackelig, vor allem, wenn von der anderen Seite aus auch Besucher die Brücke überqueren. Aber sie ist breit genug, sodass man ohne Weiteres an einander vorbei gehen kann. Die Schlucht liegt einem im wahrsten Sinne zu Füßen, ein großer Wasserfall sowie die Holzwege und Treppen des 8,5 km langen Wanderweges Passadicos do Paiva. Als ich mich an die Höhe und Weite gewöhnt hatte, konnte ich auch den wunderschönen Ausblick genießen.

Entweder läuft man über die Brücke hin und zurück, oder man nutzt den Tag für eine Wanderung durch die Schlucht des Rio Paiva. Der Fluss schängelt sich durch eine geologisch bedeutsame Felsenschlucht, die über Holzstege erkundet werden kann. Wasserfälle, Aussichtsplattformen, Hängebrücken, Fossilienspuren, idylische Bandestrände und viel Natur begleiteten unseren Weg und gestalteten ihn nicht nur für Vincent sehr abwechslungsreich. Angekommen in Espiunca ließen wir uns mit einem Jeep wieder zu unserem Auto shuttlen. 

Adeus Portugal
Bonjour Frankreich

9.-12. Juni 2021

So langsam heißt es Abschied nehmen von Portugal. Auch wenn es mir wirklich schwer fällt, aber nach 5 Wochen im Land kann man auch mal weiterziehen.

Nach unserer aufregenden Hängebrücken Überquerung packten wir am nächsten Tag unsere SUP’s aus und gondelten einen Seitenarm des Flusses Douro entlang. Kaum Strömung und schön warm zum baden, ideal für Vincent.
Und dann radelten wir noch einmal nach Porto und ließen uns bis in die Abendstunden treiben. Herrlich!

Für die Weiterfahrt nach Frankreich fuhren wir bewusst nicht an der Nordküste Spaniens entlang, da wir dies bereits 2015 getan haben. Hier ein Link zu unserer damaligen Tour.
Dieses Mal ging es quer durch Portugal bis nach Bragança, ziemlich weit im Nord-Osten, kurz vor der spanischen Grenze. Die Stadt liegt mitten im Naturpark Montesinho, eine wunderschöne Berglandschaft. Da uns sowohl die Gegend, als auch der Campingplatz Cepo Verde so gut gefielen (mit der Schönste bisher auf unserer Reise), blieben wir eine Nacht länger, als geplant und besuchten die für Bragança bekannte Burg. 

Reisestrecke: 222 km

St. Jean de Luz, oder
„Ist doch kein Beinbruch“

13.-17. Juni 2021

Nach langen Stunden im Auto strandeten wir in der Nähe von Biarritz. Der Campingplatz Larrouleta bietet eine perfekte Ausgangslage in die Pyrenäen, zum Wandern, Mountain Biken, Rafting und vieles mehr. St. Jean de Luz liegt direkt am Meer, sodass man hier wunderbar beide Welten miteinander kombinieren kann. So war auch unser Plan für die nächsten Tage.

Leider verletzte ich mich bei einer Wasserplanscherei so stark am Knöchel, dass dieser angebrochen ist. Das bedeutet: Auf jeden Fall die nächsten 2-3 Wochen keine Belastung auf den Fuss und still halten. Somit liessen wir jetzt erst einmal etwas Ruhe einkehren und überlegten, wie es die nächsten Wochen weitergehen sollte. Schöner Mist.

Mattes nutzte die Zeit für ein paar Radltouren in die Pyrenäen. Aber wie wir auch schon im Sommer 2015 festgestellt haben, sind die Trails hier bei weitem nicht so intensiv befahren, wie in den Alpen…Fluch und Segen zugleich. Es ist zwar kaum was los, dafür können sie jedoch ziemlich zugewachsen sein. Zumindest sind sich hier aber noch die Wanderer und Biker gegenseitig wohlgesonnen. 

Irgendwann wurde es mir vor dem Wohnwagen zu langweilig, sodass wir einen Shoppingausflug zu den Surf Outlets von Billabong, Rip Curl, Burton und Co. unternahmen. Allerdings wurde die Shoppinglaune aufgrund der Krücken dann doch ein wenig gedämpft.

Reisestrecke: 580 km

Zwischenstopp
Auvergne

18.-20. Juni 2021

Leider, leider mussten wir jetzt doch erst einmal die Heimreise antreten. Nach Rücksprache mit meinem Arzt aus München, der mir dringend ein MRT empfohlen hat, versuchten wir alle möglichen Kontakte anzuzapfen, um ein kurzfristiges MRT in Frankreich zu erhalten. Abgesehen von den sprachlichen Barrieren, ist uns dies leider nicht gelungen. Eine Wartezeit von 2-4 Wochen wurde uns vorhergesagt.

Auf dem Rückweg legten wir aber noch einen 2-tägigen Stopp in der Nähe von Vichy ein, auf dem Campingplatz Les Acacias in der Auvergne. Ein großer Teil der Region Auvergne gehört zum vulkanischen Zentralmassiv mit wunderschönen Vulkankegeln und Vulkanseen. Unter anderen haben hier auch die Loire und die Dordogne ihren Urspung. Ideal zum biken, wandern und Ausfahrten mit dem SUP.
Für Kinder bietet der Campingplatz eine große Wasserrutsche, Spielplätze und die Nähe zum seichten Fluss, der auch zum angeln und SUP fahren einlädt. Wir kommen sicher noch einmal her. 

Reisestrecke: 625 km

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